Gleichmäßiger Fluss Im modernen Fuhrpark gewinnt nun der Rollbandauflieger von Krampe an Bedeutung.
- von KFZ-Anzeiger / Jan Bergrath
Der Königsberger Agrarservice hat sich auf Transporte für die Landwirtschaft spezialisiert.
Im Landschaftsbild von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Kuh an sich ein stark rückgängiges Lebewesen. Verdrängt wird das Nutzvieh immer öfter von riesigen Anbauflächen mit Mais. Schuld daran trägt auch die Energiewende. Allein in Brandenburg ist die Zahl der Biogasanlagen von 31 (2004) auf heute 299 gestiegen. Davon profitiert auch der Königsberger Agrarservice, ursprünglich selbst ein rein landwirtschaftlicher Betrieb. In der zweiten Generation baute Inhaber Michael Schuran zunächst den Bereich der Lohndienstleistungen – also den professionellen Einsatz von Agrar- und Erntegeräten – aus. Dann folgte 2010 die Idee, auch in der landwirtschaftlichen Logistik Fuß zu fassen. Bis September 2013 wuchs der eigene top-moderne Fuhrpark auf 21 LKW. Sie sind vor allem in Ostdeutschland im sommerlichen Getreidetransport mit Schiffsverladung in den Binnen- oder Ostseehäfen unterwegs. Dazu kommen, oft als Rückladungen, Futtermittel, Dünger oder Kalk für die landwirtschaftlichen Betriebe.
Ein Schwerpunkt ist der silierte Mais – der auch dem Bereich Logistik eine starke Unabhängigkeit verleiht. Hier verfügt Königsberger über eigene Nutzflächen zur Erzeugung von Mais. Im Herbst wird die Energiepflanze geerntet und dann zu offenen Silos – meist in der Nähe von Biogasanlagen – transportiert. Unter den schwarzen Planen beginnt die Masse bald zu gären – und wird dann just in time von den Stromerzeugen abgerufen. Große Anlagen wie in Heiligengrabe oder Schwerin haben eine Kapazität von 2,5 Megawatt und mehr.
Dafür benötigen sie etwa 100 Tonnen Mais am Tag auf Vorrat, also vier Lastzüge. Das durch den kontinuierlichen Ausfaulungsprozess entstandene Biogas wird in einem Speicher aufgefangen, vor dort gelangt es zu einem Block-heizkraftwerk, wo es zur Stromerzeugung als Treibstoff für das Blockheizkraftwerk genutzt wird. Der Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist, die Abwärme des Blockheizkraftwerkes kann zum Heizen der anlageneigenen Fermenter genutzt oder zur Wärmenutzung an externe Gebäude und Werke abgegeben werden. Der hier mitentscheidende Vorteil für Königsberger: Es gibt trotz der üblichen saisonalen Schwankungen immer etwas zu fahren.
Gestatten: Bandit
Für die klassischen Massengüter wie Getreide oder Maissilage setzt Disponent Thomas Schuran überwiegend auf den Schubboden.
Da die Lastzüge oft auf den Feldern selber laden, wurde die Innenhöhe auf 2,65 m gekürzt, um ein höheres Sattelmaß zu bekommen, das Volumen auf 85 m³ reduziert. Die zweite Fahrzeugkategorie sind Kipper in Leichtbauweise von Schmitz Cargobull. Seit Februar 2013 ergänzt nun ein bislang im Gütertransport noch ungewöhnliches Fahrzeug die Flotte: der Rollbodenauflieger. Die von Krampe aus Coesfeld entwickelte Technik wurde vor rund fünf Jahren in das Lieferprogramm aufgenommen, dann in landwirtschaftlichen Transportfahrzeugen umgesetzt. Auf der IAA 2010 in Hannover folgte schließlich die Premiere als Sattelauflieger, sie wurde gleich in der Kategorie „Concept“ des Wettbewerbes „Trailer Innovation 2011“ mit dem dritten Platz belohnt. Nach Angaben des Herstellers sind derzeit etwa 35 Auflieger europaweit im Einsatz.
In diesem reinen Nutzfahrzeugsektor bietet Krampe neben einer Deichselanhänger-Varianten mit rund 40 m³ drei verschiedene Größen an: Als Zwei- oder Dreiachsauflieger gibt es Volumen von circa 50, 60 oder 90 m³. Clou des Aufliegers ist das Rollbandsystem Bandit für die horizontale Entladung. Im Boden ist ein Rollband verbaut. Hydraulikmotoren an der Stirnseite und am Heck des Anhängers rollen den Gummiboden hin und her. Königsberger hat sich für den Typ SB 30/60 entschieden.
Er hat ein Leergewicht von 6.700 kg. Vor der Beladung muss der Fahrer darauf achten, dass das Band überwiegend in der Front des Trailers eingerollt ist, unterstützt wird er dabei durch ein optisches Signal. Die Entladung erfolgt per Fernbedienung. Das in der Breite des Aufliegers verbaute Band rollt die Fracht einfach raus. Die glatten, nahtlosten Seitenwände, verbunden mit der verhältnismäßig breiten Auflagefläche des Ladegutes, sorgen zusammen mit der gummierten Oberfläche des Rollbands für eine zuverlässige Restlosentleerung.
„Es dauert etwa zwei Minuten, bis der LKW komplett leer ist“, so Thomas Schuran. „In einem gleichmäßigen Fluss fällt die Fracht am Heck auf den Boden. Bei manchen Produkten muss der Fahrer, wie beim Schubboden
auch, nur noch einmal kurz nachfegen.“
Die große Flexibilität
Ideal ist der Bandit für Schütt- und Schreddergut, Pellets, Hackschnitzel, Silage, Futtermittel, Kies, Hausmüll, aber auch rieselfähige Güter. Aber auch klebrige Güter wie Klärschlamm und Kalk und selbst Stückgüter wie Paletten, Bigpacks und Strohballen sind geeignet. Was gar nicht geht, ohne das Band zu zerstören, sind Schrott, Altmetall, Altglas oder Bauschutt. „Wir bewegen uns im Preisgefüge etwas oberhalb der Walking-Floor-Fahrzeuge“, verrät Verena ven der Buss, Marketing-Managerin bei Krampe. „Das jedoch bei einem erheblichen Zugewinn an Nutzen und Wirtschaftlichkeit. Im Vergleich mit herkömmlichen Aufliegern ergibt sich der Vorteil bei engen Platzverhältnissen und Beschränkungen durch geringe Durchfahrts- und Hallenhöhen.“ Das kann auch Thomas Schuran bestätigen, der bereits den dritten Bandit in seinem Team hat und von der Flexibilität schwärmt: „Ich kann Getreide zu einem Futtermittelhersteller bringen und vor dort direkt eine Ladung in die Halle eines Viehzüchters zurücknehmen.“
Name ist Programm
Königsberg ist ein Ortsteil von Heiligengrabe nahe Pritzwalk in Brandenburg. Dort liegt die Keimzelle des jungen Dienstleistungsunternehmens Königsberger Agrarservice, das einst
als landwirtschaftlicher Betrieb der Familie Schuran begann und nun seit 2010 den Transport von landwirtschaftlichen Massengütern mit derzeit 21 eigenen Lastzügen zum florierenden dritten Standbein ausbaut. Dazu zählen: zehn Schubbodenauflieger von Stas mit 65 bis 85 m³, acht Kipper
von Schmitz Cargobull mit 53 bis 60 m³ und drei Rollbandauflieger
von Krampe mit 60 m³. Als Zugfahrzeug dominiert MAN mit 480 PS, dazu drei Mercedes-Benz Actros mit 450 PS und ein Volvo HH mit 480 PS.
KFZ-Anzeiger / Jan Bergrath